
Der Einstieg in die Literaturwelt ist für viele Schreibende nicht leicht. Verlage erhalten täglich zahlreiche Manuskripte, Literaturagenturen arbeiten selektiv, und klassische Veröffentlichungswege sind oft schwer zugänglich. Gerade für neue Autorinnen und Autoren ohne große Reichweite stellt sich deshalb die Frage: Wie kann man sichtbar werden?
Eine wichtige Möglichkeit bieten offene Ausschreibungen und sogenannte Open Calls. Dabei handelt es sich um Wettbewerbe, Anthologien, Zeitschriftenbeiträge, Stipendien oder Residenzprogramme, bei denen Texte öffentlich eingereicht werden können. Für viele Schreibende sind sie der erste realistische Schritt in den professionellen Literaturbetrieb.
In diesem Beitrag zeigt Buch-Studio, welche Arten von Ausschreibungen es gibt, wo man sie findet und warum sie auch heute noch eine wertvolle Chance für neue Talente darstellen.
Welche Arten von offenen Ausschreibungen gibt es?
Nicht jede Ausschreibung richtet sich an vollständige Romane. Im deutschsprachigen Raum beziehen sich viele Open Calls eher auf kürzere Texte, Auszüge oder spezielle Formate. Das macht sie besonders interessant für Autorinnen und Autoren, die erste Veröffentlichungen sammeln oder ihre Sichtbarkeit erhöhen möchten.
Zu den wichtigsten Formen gehören:
Literaturwettbewerbe
Anthologien mit offenen Einsendungen
Ausschreibungen von Literaturzeitschriften
Stipendien und Schreibresidenzen
Nachwuchsförderprogramme
Kurzgeschichten- und Lyrikpreise
Je nach Format stehen unterschiedliche Ziele im Vordergrund: Veröffentlichung, Preisgeld, Feedback, Reputation oder Vernetzung.

Literarische Wettbewerbe
Literaturwettbewerbe gehören zu den bekanntesten Möglichkeiten für neue Autorinnen und Autoren. Gesucht werden meist unveröffentlichte Kurzgeschichten, Prosatexte, Essays oder Gedichte. Häufig gibt es klare Themenvorgaben, Zeichenbegrenzungen oder Altersgrenzen.
Ein Wettbewerb kann mehrere Vorteile bieten:
Sichtbarkeit bei Jurys, Verlagen und Veranstaltern
Veröffentlichungen in Sammelbänden oder Medien
Preisgelder und Förderungen
Ein starkes Referenzprojekt für den Lebenslauf
Motivation durch feste Deadlines
Schon eine Platzierung auf der Shortlist kann helfen, sich als ernstzunehmende Stimme zu positionieren.
Literaturzeitschriften
Eine besonders wichtige Rolle spielen bis heute Literaturzeitschriften. Sie gelten im deutschsprachigen Raum als feste Plattformen für Kurzprosa, Lyrik, Essays und literarische Experimente. Magazine wie BELLA triste oder Edit Magazin veröffentlichen regelmäßig neue Texte und bieten sowohl thematische Ausschreibungen als auch freie Einsendungsmöglichkeiten an.
Im Unterschied zu klassischen Wettbewerben handelt es sich hier nicht um einzelne Termine, sondern um einen fortlaufenden Zugang zur Literaturszene. Für viele Autorinnen und Autoren ist dies der erste realistische Weg zu einer ernstzunehmenden Veröffentlichung.
Eine Publikation in einer Literaturzeitschrift bringt mehrere Vorteile:
erste professionelle Referenzen
Sichtbarkeit bei Redaktionen und Verlagen
Aufbau eines eigenen Schreibprofils
Kontakte innerhalb der Literaturszene
mehr Glaubwürdigkeit bei späteren Bewerbungen
Wer regelmäßig veröffentlicht, positioniert sich Schritt für Schritt als aktive Stimme im literarischen Raum.
Anthologien und thematische Sammelbände
Anthologien und Sammelbände sind ein besonders flexibles Format für neue Autorinnen und Autoren. Meist steht ein klares Thema im Mittelpunkt – zum Beispiel Migration, Stadtleben, Erinnerungskultur, Zukunft oder gesellschaftlicher Wandel.
Viele dieser Projekte werden von kleineren Verlagen, Kulturinitiativen oder unabhängigen Herausgebern organisiert. Dadurch sind die Einstiegshürden oft niedriger als bei großen Wettbewerben.
Gerade für Nachwuchsautorinnen und -autoren bieten Anthologien interessante Chancen:
erste Veröffentlichung ohne komplettes Buchprojekt
Präsenz neben anderen Schreibenden
Aufbau von Referenzen
Möglichkeit, neue Genres auszuprobieren
Sichtbarkeit in spezialisierten Zielgruppen
Zwar besitzen Anthologien nicht immer das Prestige großer Literaturpreise, dennoch sind sie ein wertvoller Schritt auf dem Weg zur eigenen Autorinnen- oder Autorenmarke.
Residenzen und Stipendienprogramme
Auch Schreibresidenzen und Literaturstipendien gehören zu den interessantesten Fördermöglichkeiten. Sie werden nicht immer ausdrücklich als Open Call bezeichnet, funktionieren aber ähnlich: Bewerber reichen Texte, Konzepte oder Buchprojekte ein, die anschließend von einer Jury bewertet werden.
Angeboten werden solche Programme häufig von Literaturhäusern, Stiftungen, Städten oder regionalen Kulturfonds.
Der große Unterschied zu Wettbewerben: Hier steht nicht die Veröffentlichung im Vordergrund, sondern die Förderung des Schreibprozesses selbst.
Typische Vorteile sind:
finanzielle Unterstützung
Zeit für konzentriertes Arbeiten
Unterkunft oder Arbeitsräume
professionelle Netzwerke
höhere Chancen auf spätere Veröffentlichungen
Für viele Autorinnen und Autoren sind Residenzen ein entscheidender Entwicklungsschritt, um größere Projekte endlich professionell umzusetzen.
Wo man nach Open Calls sucht: Orientierung in einem fragmentierten Feld
Die systematische Suche nach Open Calls bleibt für angehende Autor*innen im deutschsprachigen Literaturraum eine der größten Herausforderungen. Im Gegensatz zum englischsprachigen Markt, wo es zentralisierte Plattformen mit einem hohen Grad an Aggregation gibt, sind die Informationen hier auf Institutionen, Zeitschriften und informelle Kanäle verteilt. Folglich erfordert die Suche weniger einen einmaligen Aufwand als vielmehr die Entwicklung einer beständigen Recherchepraxis.
Zunächst sollte sich der Autor an institutionelle Quellen wenden. Die offiziellen Websites literarischer Organisationen fungieren als primäre Informationsknotenpunkte, auf denen Wettbewerbe, Residenzen und einzelne Ausschreibungen veröffentlicht werden. In diesem Zusammenhang ist die Website des Haus für Poesie bezeichnend, die regelmäßig die Rubriken mit aktuellen Wettbewerben und Programmen aktualisiert. Eine ähnliche Rolle spielen Literaturhäuser – wie das Literaturhaus Berlin, das Literaturhaus Wien und das Literaturhaus Zürich – sowie die Kulturfonds der Bundesländer. Diese Institutionen geben nicht nur ihre eigenen Programme bekannt, sondern fungieren auch als Vermittler von Informationen über externe Möglichkeiten und schaffen so eine Infrastruktur für den Zugang.
Ein ebenso wichtiger Kanal sind Literaturzeitschriften, die als ständig offener Zugangspunkt fungieren. Im Gegensatz zu Wettbewerben mit festen Einsendeschlussterminen ermöglichen Zeitschriften die regelmäßige Einreichung von Texten und geben damit einen anderen Rhythmus für die Interaktion mit dem Autor vor. Die Praxis zeigt, dass die systematische Beobachtung der Rubriken „Einreichungen“ oder „Submissions“ sowie das Abonnieren von Redaktions-Newslettern die Wahrscheinlichkeit, relevante Möglichkeiten rechtzeitig zu entdecken, erheblich erhöhen. In diesem Sinne bilden Zeitschriften nicht nur eine Plattform für Veröffentlichungen, sondern auch eine besondere Form der Schreibdisziplin, die an die Regelmäßigkeit der Einreichung gebunden ist.
Spezialisierte Aggregatoren im deutschsprachigen Raum existieren zwar, ihre Anzahl ist jedoch begrenzt. Dennoch erfüllen thematische Portale zu Literaturwettbewerben, Autoren-Newsletter und Fachgemeinschaften eine wichtige Funktion der sekundären Auswahl und Filterung von Informationen.
Sie ermöglichen es dem Autor, die Suchzeit zu verkürzen und sich auf die relevantesten Angebote zu konzentrieren. Dabei ist zu beachten, dass solche Ressourcen selten das gesamte Feld abdecken und daher die Arbeit mit Primärquellen nicht ersetzen können.
Schließlich wird ein erheblicher Teil der Open Calls über indirekte Kanäle verbreitet, die oft unterschätzt werden. Die sozialen Netzwerke literarischer Institutionen, Fachgruppen und kulturelle Veranstaltungen – wie Lesungen oder Festivals – werden zu Orten der Informationsverbreitung, an denen Ankündigungen früher erscheinen als auf den offiziellen Websites. Plattformen wie X (ehemals Twitter), die Instagram-Seiten literarischer Zeitschriften und E-Mail-Newsletter bilden ein dynamisches Umfeld, in dem ein Autor präsent sein muss, wenn er zeitnah reagieren möchte. So wird die Suche nach Open Calls zu einer Form der ständigen Einbindung in das Kommunikationsnetzwerk des literarischen Feldes.
Bevorstehende Open Calls (mai 2026)
Nachfolgend finden Sie aktuelle Ausschreibungen, die in den kommenden Monaten besonders interessant sein werden. Sie umfassen sowohl institutionelle als auch flexiblere Beteiligungsformate.
| Titel | Link | Einsendeschluss | Kurzbeschreibung |
|---|---|---|---|
| Open Mike Wettbewerb | Open Mike 2026 | 20 mai 2026 | Einer der wichtigsten Wettbewerbe für junge Autoren in deutscher Sprache; eingereicht werden können unveröffentlichte Prosa- oder Gedichttexte. |
| British Council Poetry Competition (Germany) | Poetry Competition | 3 mai 2026 | Gedichtwettbewerb für Schüler; Beiträge in deutscher und englischer Sprache sind zulässig. |
| Edit Magazin — submissions | Edit Magazin Submissions | – | Die Zeitschrift veröffentlicht Prosa und Lyrik; eine Veröffentlichung ebnet den Weg in die professionelle Literaturszene. |
| BELLA triste — submissions | BELLA triste Einsendungen | – | Eines der führenden Magazine für junge Literatur; Ausschreibungen finden mehrmals im Jahr statt. |
Insgesamt zeigen diese Wege und Möglichkeiten, dass die Suche nach offenen Ausschreibungen nur selten vom Zufall abhängt. Entscheidend sind vielmehr Struktur, Ausdauer und eine regelmäßige Recherche. Wer Institutionen, Literaturzeitschriften und das berufliche Umfeld kontinuierlich beobachtet, entdeckt nach und nach Chancen, die bei einer gelegentlichen Suche oft verborgen bleiben.
Bereits die Aufnahme in die engere Auswahl eines Wettbewerbs kann ein wichtiger Meilenstein in der Autorenlaufbahn sein. Solche Erfolge stärken das Portfolio, werten den Lebenslauf auf und schaffen Vertrauen bei späteren Bewerbungen. Mit jeder Platzierung wächst die eigene Sichtbarkeit innerhalb des Literaturbetriebs.
Auch Verlage und Jurys nehmen Shortlists oder Wettbewerbserfolge häufig als positives Signal wahr. Sie zeigen, dass ein Text bereits professionell geprüft und als relevant eingestuft wurde. Aus diesem Grund kann schon die Teilnahme an einem renommierten Open Call – und besonders eine Platzierung auf der Shortlist – ein bedeutender Schritt sein, um im literarischen Feld ernst genommen zu werden.
FAQ
Open Calls sind im deutschsprachigen Literaturbetrieb ein wichtiger Einstieg, weil sie in einem stark institutionalisierten System eine der wenigen niedrigschwelligen Zugangsmöglichkeiten bieten. Ohne Agentur oder fertiges Buch können Autor*innen hier erste Sichtbarkeit und Anerkennung gewinnen.
Eine Auswahl bei einem Open Call wirkt zudem als Qualitätssignal und erleichtert den Zugang zu Netzwerken, Förderungen und später auch zu Verlagen.
Die Formate, die funktionieren, sind kurze Texte:
- Literaturwettbewerbe (z. B. Open Mike),
- Zeitschriften (Veröffentlichungen von Prosa und Lyrik),
- Anthologien,
- Residenzen und Stipendien.
Dabei gibt es fast keine Open Calls für Romane – die lange Form wird nur über Verlage und Agenten berücksichtigt. Daher sollte die Strategie eines Autors darin bestehen, mit kurzen Texten zu beginnen und nach und nach Veröffentlichungen zu sammeln.
Die entscheidenden Faktoren sind:
- die genaue Einhaltung der Vorgaben (Umfang, Format, Thema),
- das Lektorat des Textes,
- das Verständnis für den Kontext der Plattform (was genau die Zeitschrift oder der Wettbewerb veröffentlicht).
In der Praxis scheitern viele Autor*innen nicht an der Idee, sondern an unzureichender Textvorbereitung. Eine professionelle redaktionelle Bearbeitung und klare Positionierung – etwa durch Angebote wie Buch Studio – kann helfen, den Text gezielt an die Anforderungen des deutschsprachigen Literaturmarkts anzupassen.
Weil dies eine Form der institutionellen Anerkennung darstellt.
Auch ohne Sieg:
- wird dies im Lebenslauf des Autors vermerkt,
- stärkt das Vertrauen seitens der Verlage,
- signalisiert, dass der Text bereits eine professionelle Auswahl durchlaufen hat.
Um dieses Ergebnis optimal zu nutzen (zum Beispiel, um das Portfolio richtig zu gestalten oder die nächsten Bewerbungen vorzubereiten), wenden sich Autoren oft an Experten – wie Buch Studio –, die dabei helfen, eine Strategie für weitere Einreichungen zu entwickeln.
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