
Der Herbst ist für Schreibende eine besonders interessante Zeit: Im September, Oktober und November laufen zahlreiche Bewerbungsfristen für Literaturpreise, Anthologien, Literaturzeitschriften und Förderprogramme aus. Wir haben einige aktuelle Ausschreibungen für deutschsprachige Autor:innen zusammengestellt – und zeigen, worauf Sie bei der Bewerbung 2026 achten sollten.
Vielleicht liegt das Manuskript schon seit Monaten in der Schublade. Vielleicht existieren bisher nur einige Gedichte, eine Kurzgeschichte oder eine Idee für ein Kinderbuch. Und vielleicht fehlt bislang genau das, was vielen Schreibenden am Anfang ihrer Laufbahn fehlt: eine Gelegenheit, den eigenen Text tatsächlich nach außen zu bringen.
Allein in den aktuellen Ausschreibungslisten finden sich zahlreiche Fristen zwischen Anfang September und Ende November. Dabei geht es längst nicht nur um klassische Schreibwettbewerbe. Gesucht werden Kurzgeschichten, Lyrik, Prosa, Texte für Literaturzeitschriften, Anthologien und in einzelnen Fällen sogar Buchideen.
Allerdings lohnt sich ein genauer Blick. Eine Ausschreibung ist nicht automatisch interessant, nur weil sie „Open Call“ heißt. Manche richten sich ausschließlich an bestimmte Altersgruppen, andere verlangen einen regionalen Bezug oder bereits veröffentlichte Texte. Und bei manchen muss der Beitrag unveröffentlicht sein oder sogar vollständig ohne Einsatz generativer KI entstanden sein.
Deshalb sollte die erste Frage nicht lauten: „Wo kann ich meinen Text hinschicken?“
Sondern:
„Welche Ausschreibung passt wirklich zu meinem Text und zu meiner aktuellen Situation als Autor:in?“
Die wichtigsten Open Calls im Herbst 2026
Die folgenden Ausschreibungen sind nach Einsendeschluss geordnet. Vor einer Bewerbung sollten die vollständigen Teilnahmebedingungen auf der jeweiligen Veranstalterseite noch einmal geprüft werden, da sich Fristen oder Anforderungen ändern können.
6. September 2026: Treffpunkt Schreiben FLASHbewerb
Für alle, die gerne mit sehr kurzen Texten arbeiten, ist der FLASHbewerb von Treffpunkt Schreiben interessant. Gesucht werden Flash-Fiction-Texte zum Thema „Zerbröseln“. Der Begriff darf dabei ausdrücklich weiter interpretiert werden – vom buchstäblichen Zerfallen bis zum Zerbröseln eines Plans oder Selbstvertrauens.
Der Text muss zwischen 50 und 500 Wörtern inklusive Titel umfassen. Teilnehmen können Personen ab 18 Jahren, unabhängig von Wohnort und Staatsangehörigkeit. Die Einreichung erfolgt auf Deutsch als Word-Datei; pro Person ist nur ein Text erlaubt. Wichtig: Der Text muss selbst verfasst, unveröffentlicht und ohne KI entstanden sein.
Besonders interessant ist der Wettbewerb auch deshalb, weil die besten 40 Texte in einer Anthologie veröffentlicht werden. Der erste Preis beinhaltet außerdem ein umfangreiches Veröffentlichungspaket, weitere Platzierungen werden unter anderem mit Schreibworkshops und einem Lektorat ausgezeichnet.
Für wen geeignet?
Für Autor:innen, die Kurzprosa schreiben und mit einer sehr kurzen Form experimentieren möchten.

13. September 2026: CarpeGusta Literatur Award
Wer psychologisch dichte, eher düstere Prosa schreibt, sollte einen Blick auf den CarpeGusta Literatur Award werfen. Gesucht wird in diesem Jahr ausdrücklich nach Texten im neu definierten Genre CarpeGustaNoir+. Im Mittelpunkt stehen innere Konflikte, begrenzte Handlungsräume und eine unheilvolle Entwicklung ohne klassisches Happy End.
Die Kurzgeschichte darf maximal 10.000 Zeichen inklusive Leerzeichen lang sein. Einsendeschluss ist der 13. September 2026. Der Text muss unveröffentlicht sein und darf nicht mithilfe künstlicher Intelligenz verfasst worden sein. Die Einreichung erfolgt postalisch.

Die Gewinnergeschichte soll im November 2026 bei CarpeGusta Literatur veröffentlicht werden; zusätzlich ist ein ausführliches Autoreninterview vorgesehen.
Für wen geeignet?
Für Autor:innen von psychologischer Prosa, Dark Fiction, literarischem Thriller oder Kurzgeschichten mit starkem Innenleben.
15. September 2026: Literarischer März 2027
Für Lyriker:innen gehört diese Ausschreibung zu den interessanteren Terminen des Herbstes.
Der Literarische März in Darmstadt vergibt 2027 den Leonce-und-Lena-Preis in Höhe von 8.000 Euro sowie zwei Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise von jeweils 4.000 Euro. Bewerben können sich deutschsprachige Autor:innen, die nicht vor 1991 geboren sind. Eingereicht werden bis zu zwölf Gedichte in deutscher Sprache.
Die Texte dürfen zum Bewerbungszeitpunkt nicht in Buchform bei einem Verlag erschienen sein. Die Bewerbung erfolgt ausschließlich online. Die ausgewählten Autor:innen werden zum Wettbewerb im März 2027 nach Darmstadt eingeladen; die öffentlichen Lesungen und die Preisverleihung finden am 6. März 2027 statt.
Für wen geeignet?
Für jüngere deutschsprachige Lyriker:innen, die bereits mehrere eigenständige Gedichte vorweisen können.

15. September 2026: Liliencron-Nachwuchspreis für Lyrik
Ebenfalls am 15. September endet die Bewerbung für den Liliencron-Nachwuchspreis für Lyrik aus Schleswig-Holstein.
Teilnehmen können Autor:innen zwischen 18 und 36 Jahren, die höchstens zwei Lyrikbücher veröffentlicht haben und deren Biografie einen Bezug zu Schleswig-Holstein aufweist. Eine thematische Vorgabe gibt es nicht. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert.
Die Ausschreibung ist damit ein gutes Beispiel dafür, warum es sich lohnt, die Teilnahmebedingungen genau zu lesen. „Nachwuchspreis“ bedeutet hier eben nicht einfach „für alle neuen Autor:innen“ – Alter und regionaler Bezug sind entscheidend.
15. September 2026: Pigeon Publishing 4/26
Wer nicht unbedingt an einem Wettbewerb teilnehmen möchte, findet bei Pigeon Publishing eine andere Möglichkeit: Das Magazin nimmt laufend Einsendungen für Lyrik, Prosa und Essays auf Deutsch und Englisch an. Für die Ausgabe 4/26 wird in der aktuellen Ausschreibung der 15. September als Frist geführt.
Gesucht werden Texte bis maximal 10.000 Zeichen oder bis zu fünf Gedichte. Bei Prosa sind auch kurze Romanauszüge möglich. Das Magazin versteht sich als Plattform für kulturelle Gegenwart und bevorzugt insbesondere progressive oder experimentelle Texte. Auch eine anonyme Veröffentlichung ist möglich.
Für wen geeignet?
Für Autor:innen, die erste Veröffentlichungen in einer Literaturzeitschrift sammeln möchten.

15. September 2026: Halloween-Anthologie
Noch etwas anderes ist gefragt, wenn ein Text atmosphärisch in den Herbst passt: Die Halloween-Anthologie von Thomas Opfermann sucht Beiträge zum Thema Halloween.
Die Textgattung ist frei wählbar – möglich sind beispielsweise Gedichte, Kurzgeschichten oder Essays. Der Umfang beträgt maximal fünf Normseiten. Der Text muss unveröffentlicht sein und darf zuvor weder online noch gedruckt erschienen sein.
Die Autor:innen behalten die Rechte am Text und erteilen lediglich eine einmalige Abdruckgenehmigung. Ein Honorar oder kostenlose Belegexemplare sind allerdings nicht vorgesehen.
Für wen geeignet?
Für Autor:innen, die eine kurze saisonale Geschichte schreiben möchten und erste Anthologieerfahrungen sammeln wollen.
25. September 2026: Feuergriffel – besonders interessant für Kinderbuchautor:innen
Eine der ungewöhnlicheren Ausschreibungen im Herbst ist der Feuergriffel, das Mannheimer Stadtschreiber-Stipendium für Kinder- und Jugendliteratur.
Hier muss nämlich gerade kein fertiges Buch vorliegen.
Bewerber:innen reichen stattdessen eine Buchidee ein. Gesucht werden deutschsprachige Autor:innen und Illustrator:innen, die ihre Idee während eines dreimonatigen Aufenthalts in Mannheim weiterentwickeln und zu einem Buchprojekt ausarbeiten möchten. Das Stipendium ist insgesamt mit 9.000 Euro dotiert.
Die Bewerbung besteht unter anderem aus einem Exposé von maximal drei Seiten, einer Textprobe von maximal vier Seiten, einer Liste bisheriger Publikationen, Lebenslauf, Foto und Motivationsschreiben. Besonders wichtig: Die Bewerbungsunterlagen werden anonymisiert an die Jury weitergegeben. Außerdem müssen mit KI erstellte Seiten entsprechend gekennzeichnet werden.
Für wen geeignet?
Für Kinder- und Jugendbuchautor:innen, die eine starke Buchidee haben, aber noch kein fertiges Manuskript.
30. September 2026: Grusel-Wusel-Wettbewerb
Noch einmal Kinderliteratur, diesmal mit einem deutlich anderen Ansatz.
Der Grusel-Wusel-Wettbewerb 2026 des Budde-Hauses Leipzig sucht Schauergeschichten für Kinder. Das diesjährige Thema verbindet Grusel mit Umweltfragen: Gesucht werden „Umweltgeister“, die gegen Klimawandel, Artensterben, Meeresverschmutzung, Pestizide oder andere ökologische Bedrohungen antreten.
Der Einsendeschluss ist der 30. September 2026.

30. September 2026: Walter-Kempowski-Literaturpreis
Eine interessante Möglichkeit für Autor:innen bis 50 bietet der Walter-Kempowski-Literaturpreis der Hamburger Autorenvereinigung.
Gesucht wird eine bisher unveröffentlichte Kurzgeschichte zum Thema „Wenn das mal gut geht“. Teilnehmen können deutschsprachige Autor:innen der Jahrgänge ab 1976. Die Bewerbung erfolgt anonym. Die Preise liegen zwischen 1.500 und 6.000 Euro.
Hier zeigt sich erneut, wie wichtig es ist, nicht nur auf das Genre zu schauen. Auch wenn eine Kurzgeschichte formal passen würde, kann die Altersvorgabe darüber entscheiden, ob eine Bewerbung überhaupt möglich ist.
30. September 2026: Anthologie „Armadillo-Geschichten“
Eine ungewöhnliche Ausschreibung kommt vom Armadillo Verlag. Gesucht werden Short Stories rund um das Gürteltier – ob als Hauptfigur, Haustier oder symbolisches Element, bleibt den Autor:innen überlassen.
Das Genre ist frei wählbar. Die Kurzgeschichte darf bis zu 23.000 Zeichen umfassen und muss unveröffentlicht sein. Besonders interessant ist die Ausschreibung für Autor:innen, die sich auf ein ungewöhnliches Thema einlassen möchten. Die Beteiligung ist nicht kostenlos im Sinne einer Teilnahmegebühr? Nein: Laut Ausschreibung entstehen keine Teilnahmegebühren; ausgewählte Autor:innen erhalten ein Belegexemplar und eine anteilige Honorarbeteiligung. Außerdem wird ausdrücklich bestätigt, dass keine KI verwendet wurde.
1. Oktober 2026: „Sound der Finsternis“
Passend zur Jahreszeit dürfte diese Ausschreibung vor allem für Horror- und Phantastikautor:innen interessant sein.
Für die Anthologie „Sound der Finsternis“ werden kurze Prosatexte über Unheimliches und Schreckliches aus der Welt der Musik gesucht: vom verfluchten Konzertsaal bis zur dämonischen Bandprobe. Die Geschichte darf maximal 15.000 Zeichen lang sein. Reine Gedichte sind nicht gefragt; Lyrik oder Songtexte können aber Bestandteil einer Geschichte sein.
Die Teilnahme ist kostenlos, ebenso die spätere Veröffentlichung. Die Anthologie soll 2027 als Print- und E-Book-Ausgabe erscheinen. Auch hier gilt: Die Geschichte muss selbst und ohne KI geschrieben worden sein.
1. Oktober 2026: WeissNet 2.6
Die Interessensgemeinschaft Feministische Autorinnen sucht für WeissNet 2.6 unveröffentlichte literarische Texte von Autorinnen. Inhaltlich gibt es keine enge Themenvorgabe: Die Texte können persönlich, politisch oder poetisch sein und gesellschaftliche Verhältnisse oder Machtstrukturen hinterfragen. Alle literarischen Gattungen sind zugelassen.
Die Teilnahme ist anonym, der Einsendeschluss ist der 1. Oktober 2026. Das Preisgeld liegt zwischen 100 und 500 Euro.
12. Oktober 2026: Walter-Serner-Preis
Wer Kurzgeschichten mit einem Hang zum Absurden, Skurrilen oder Dadaistischen schreibt, sollte den Walter-Serner-Preis im Blick behalten.
Gesucht wird eine Kurzgeschichte zum Thema „Wo Ernst ist, da sammeln sich die Frösche“. Der Text darf maximal 12.000 Zeichen umfassen. Teilnahmeberechtigt sind Erwachsene mit Erstwohnsitz in Berlin oder Brandenburg. Der Hauptpreis beträgt 4.000 Euro.
15. Oktober 2026: Putlitzer Preis
Beim Putlitzer Preis 2027 dreht sich alles um das Thema „Mittelpunkt der Welt“. Gesucht werden Kurzgeschichten mit einem Umfang von 650 bis 1.000 Wörtern. Teilnehmen können Personen ab 16 Jahren.
Gerade die relativ kurze Textlänge macht den Wettbewerb interessant für Autor:innen, die nicht gleich ein vollständiges Manuskript vorlegen möchten.
15. Oktober 2026: AKZENTE – „Hunger“
Die Literaturzeitschrift AKZENTE sucht für ihre Ausgabe „Hunger“ unveröffentlichte literarische Texte. Dabei geht es ausdrücklich nicht nur um körperlichen Hunger, sondern auch um Mangel, Sehnsucht und Verlangen.
Eingereicht werden können Gedichte, Erzählungen, Kurzprosa, Essays und experimentelle Texte. Möglich sind maximal acht Seiten mit jeweils 1.800 Zeichen oder bis zu sechs Gedichte. Zusätzlich wird eine kurze Biografie verlangt.

16. Oktober 2026: „Sprich. Schreib. Stör das Schweigen.“
Der Konstantin-Andok-Literaturpreis 2027 richtet sich an Texte, die sich mit Themen beschäftigen, über die sonst häufig nicht gesprochen wird. Der Wettbewerb steht damit für eine deutlich gesellschaftspolitischere Form des literarischen Schreibens.
Gesucht werden unterschiedliche literarische Formen; die Ausschreibung nennt unter anderem Prosa, Kurzgeschichten, Essays, Biografien, Sachtexte, Drehbücher und weitere Textformen. Der Einsendeschluss ist der 16. Oktober 2026.
23. Oktober 2026: Emil Breisach Literaturwettbewerb
Die Akademie Graz schreibt 2026 den Emil Breisach Literaturwettbewerb zum Thema „Imagination als Rebellion“ aus.
Gesucht werden bisher unveröffentlichte deutschsprachige Texte, die durch einen Auszug von maximal zehn Seiten eingereicht werden. Der Wettbewerb ist mit insgesamt 5.000 Euro dotiert. Voraussetzung ist ein Österreich-Bezug – etwa österreichische Staatsangehörigkeit oder ein langfristiger Wohnsitz in Österreich. Die Preisverleihung findet im Januar 2027 statt; Gewinnertexte sollen außerdem in der Literaturzeitschrift „LICHTUNGEN“ veröffentlicht werden.
24. November 2026: Barbara-Frischmuth-Preis
Der Herbst endet mit einer interessanten Ausschreibung für bereits etablierte Schreibende: Der Barbara-Frischmuth-Preis richtet sich an Autor:innen mit Wohnsitz in Österreich, die deutschsprachig schreiben und bereits literarische Veröffentlichungen vorweisen können.
Gesucht wird eine unveröffentlichte Erzählung mit maximal 20.000 Zeichen. Der erste Preis beträgt 5.000 Euro, der zweite 3.000 Euro; zusätzlich gibt es ein dreitägiges? Nein: ein dreiwöchiges Aufenthaltsstipendium inklusive 750 Euro Aufwandsentschädigung. Die zehn besten Texte sollen in einer Anthologie veröffentlicht werden.
Mehr Informationen: Literaturport – Barbara-Frischmuth-Preis
Nicht jede Ausschreibung ist für jeden Text geeignet
Die Liste zeigt ein Problem, das bei der Suche nach Open Calls leicht übersehen wird: Die Zahl der Möglichkeiten ist groß, aber der passende Call ist oft erstaunlich spezifisch.
Ein Text kann hervorragend sein und trotzdem für eine Ausschreibung ungeeignet.
Ein Beispiel: Eine allgemeine Kurzgeschichte passt nicht automatisch zum CarpeGusta Award, wenn sie keine psychologische Innenwelt und keinen begrenzten Handlungsraum besitzt. Ein fertiges Kinderbuch ist keine passende Bewerbung für den Feuergriffel, wenn dort ausdrücklich eine Buchidee und ein Exposé gesucht werden. Und ein bereits veröffentlichtes Gedicht kann bei einem Wettbewerb ausscheiden, der unveröffentlichte Texte verlangt.
Deshalb sollte die Auswahl immer in dieser Reihenfolge erfolgen:
Text → Genre → Thema → Umfang → Teilnahmebedingungen → Deadline.
Erst wenn alle sechs Punkte passen, lohnt es sich, Zeit in die Bewerbung zu investieren.
So bereiten Sie Ihre Bewerbung vor, bevor die nächste Deadline kommt
Wer regelmäßig an Ausschreibungen teilnehmen möchte, sollte nicht jedes Mal bei null anfangen.
Ein kleiner persönlicher Bewerbungsordner kann überraschend viel Arbeit sparen.
Darin sollten sich idealerweise befinden:
eine aktuelle Kurzbiografie in verschiedenen Längen,
ein ausführlicher Autorenlebenslauf,
eine Liste bisheriger Veröffentlichungen,
eine Liste von Preisen und Nominierungen,
ein aktuelles Autorenfoto,
eine Auswahl repräsentativer Texte,
eine professionelle Leseprobe,
eine kurze Beschreibung des eigenen Schreibens,
Kontaktdaten,
gegebenenfalls Informationen zu Pseudonym oder Website.
Besonders praktisch sind mehrere Versionen der Kurzbiografie.
Eine Redaktion verlangt vielleicht 300 Zeichen. Ein anderer Wettbewerb möchte 800 Zeichen. Eine Bewerbung für ein Stipendium kann dagegen einen ausführlicheren Lebenslauf und ein Motivationsschreiben verlangen.
Wer erst am Abend vor dem Einsendeschluss beginnt, seine Vita auf 350 Zeichen zu kürzen, verliert unnötig Zeit.
Ein Autorenprofil sollte nicht aussehen wie ein alter Lebenslauf
Auch der digitale Auftritt kann eine Rolle spielen. Wenn Sie bereits als Autor:in auftreten, lohnt es sich, die eigenen Profile und Webseiten vor Beginn der Bewerbungssaison zu überprüfen:
Ist dort noch die alte Kurzbiografie zu finden?
Steht das aktuelle Genre dabei?
Sind neue Veröffentlichungen ergänzt?
Funktioniert der Link zur eigenen Website?
Ist das Autorenfoto noch aktuell?
Und vor allem: Erkennt man innerhalb weniger Sekunden, was Sie schreiben?
Das muss keine perfekt ausgebaute Autorenmarke sein. Aber ein konsistenter Auftritt wirkt professioneller als drei verschiedene Biografien, ein veraltetes Foto und eine Website, auf der die letzte Veröffentlichung aus dem Jahr 2022 stammt. Auch Plattformen wie Autorenwelt können dafür hilfreich sein. Dort werden laufend Ausschreibungen, Aufträge und weitere Möglichkeiten für Schreibende veröffentlicht.
Ein Text für den Wettbewerb ist nicht automatisch der beste Text für einen Verlag
Das ist ein weiterer Punkt, der bei der Vorbereitung wichtig ist.
Ein Wettbewerbstext darf kurz, konzentriert und stark auf einen einzelnen Effekt ausgerichtet sein. Bei einer Anthologie kann ein ungewöhnlicher Einstieg wichtiger sein als eine klassische Dramaturgie. Ein Romanauszug für eine Ausschreibung muss dagegen auch ohne den gesamten Kontext funktionieren.
Deshalb sollte man einen Text nicht nur sprachlich korrigieren, sondern immer im Hinblick auf den konkreten Zweck betrachten:
Was soll die Jury nach den ersten zehn Zeilen denken?
Ist das Thema wirklich erkennbar?
Hat der Text einen eigenen Ton?
Ist der Schluss stark genug?
Gibt es Passagen, die nur funktionieren, weil man als Autor:in die Vorgeschichte kennt?
Und hält der Text tatsächlich die formalen Vorgaben ein?
Gerade der letzte Punkt klingt banal – ist aber keineswegs unwichtig.
Beim aktuellen FLASHbewerb etwa werden unter anderem Wortzahl, Dateiformat, Schriftgröße, Zeilenabstand und die Zahl der erlaubten Einreichungen genau festgelegt. Die Veranstalter weisen ausdrücklich darauf hin, dass nicht regelkonforme Einsendungen automatisch aus der Wertung fallen können.
Was tun, wenn der Text schon fertig ist, aber noch nicht ganz überzeugt?
Hier liegt häufig die eigentliche Schwierigkeit. Die Idee gefällt einem selbst. Der Text ist geschrieben. Man hat ihn vielleicht schon fünfmal gelesen. Und gerade deshalb fällt es immer schwerer, ihn noch objektiv zu beurteilen. Ein professionelles Lektorat kann an diesem Punkt sinnvoll sein.
Dabei geht es nicht darum, aus jedem Text einen möglichst glatten Standardtext zu machen. Im Gegenteil: Ein gutes Lektorat sollte zunächst herausarbeiten, was einen Text besonders macht – und anschließend prüfen, wo Sprache, Dramaturgie, Figurenführung oder Aufbau diese Stärke noch nicht ausreichend unterstützen.
Für eine Wettbewerbseinreichung kann außerdem ein Korrektorat sinnvoll sein. Denn wenn die Jury über einen kurzen Text entscheidet, sollte sie nicht durch vermeidbare Tippfehler, falsche Zeichensetzung oder sprachliche Ungenauigkeiten aus der Geschichte gerissen werden.
Bei Buch-Studio können Autor:innen ihr Manuskript bzw. ihren Wettbewerbstext professionell prüfen und sprachlich überarbeiten lassen – je nach Ausgangssituation als Lektorat, Korrektorat oder gezielte Überarbeitung eines bereits mit KI bearbeiteten Textes.
Wichtig ist allerdings: Bei Ausschreibungen, die den Einsatz generativer KI ausdrücklich ausschließen, sollte man die Teilnahmebedingungen genau prüfen. Der CarpeGusta Literatur Award und die Armadillo-Ausschreibung beispielsweise verlangen ausdrücklich, dass der eingereichte Text ohne KI entstanden ist.
Eine professionelle menschliche Überarbeitung ist deshalb nicht automatisch dasselbe wie eine KI-generierte Texterstellung – entscheidend sind die konkreten Regeln der jeweiligen Ausschreibung.
Ein einfacher Herbst-Plan für Autor:innen
Wer die nächsten Monate nutzen möchte, muss nicht zehn Wettbewerbe gleichzeitig bedienen. Sinnvoller ist eine kleine Auswahl.
Im September:
einen passenden kurzen Text auswählen, Teilnahmebedingungen prüfen und die dringendsten Deadlines bedienen.Im Oktober:
weitere Texte gezielt auf Themen und Redaktionen zuschneiden und gleichzeitig die Autorenunterlagen aktualisieren.Im November:
bereits veröffentlichte oder 2026 erschienene Bücher auf Preise prüfen, bei denen nicht das Manuskript, sondern das fertige Buch eingereicht wird – wie etwa beim DELIA-Literaturpreis. Dieser richtet sich an deutschsprachige Liebesromane für Erwachsene, die 2026 erstmals erschienen sind; Einsendeschluss ist der 30. November 2026.
So entsteht aus einzelnen Deadlines nach und nach eine eigene Bewerbungsstrategie. Denn der eigentliche Wert eines Open Calls liegt nicht immer darin, einen Preis zu gewinnen. Manchmal ist es die erste Veröffentlichung in einer Literaturzeitschrift. Manchmal eine Anthologie. Manchmal eine Shortlist, die später im Autorenprofil auftaucht. Und manchmal zwingt eine konkrete Deadline dazu, einen Text endlich fertigzustellen, der seit Monaten nur als Idee existiert.
Die wichtigste Frage für den Herbst 2026 lautet deshalb vielleicht nicht: „Welchen Wettbewerb kann ich gewinnen?“
Sondern:
„Welche Ausschreibung bringt genau den Text, den ich bereits habe, einen Schritt weiter?“
Und wenn die Antwort gefunden ist, beginnt die eigentliche Arbeit: nicht möglichst schnell auf „Senden“ zu klicken, sondern den Text so vorzubereiten, dass er seine beste Wirkung entfalten kann.
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